Ruhr 2005

Am 25.5.2005 sammelten sich nachmittags um 5 Uhr 13 SRG-Oberstufenschüler und Ehemalige auf dem Parkplatz vor Adonce in Erkrath. Nachdem Luis, eine halbe Stunde zu spät, auch noch eingetrudelt war, konnte es losgehen Richtung Schwerte.

Doch schon am Kreuz Wuppertal Nord wurde die Fahrt abrupt unterbrochen; von der Brücke  aus sah man: Auf der A1 ist Stau ohne Ende! (Eigentlich kein Wunder am Fronleichnamswochende…)

Kurz entschlossen (den Walkie-Talkies sei Dank) fuhren wir von der Autobahn ab und versuchten unser Glück über Land. Problem an der Sache: auf diese glorreiche Idee waren auch schon andere vor uns gekommen. Allein für die Ortsdurchquerung von Hagen brauchten wir eine Dreiviertelstunde, die aber (mehr oder weniger) sinnvoll genutzt wurde. Zum einen hatten wir Spaß mit den Walkies (vor allem Maxi mit seiner Polizeihysterie 😉 ), des weiteren machten sich die Besatzungen der 2 PKW und des SRG Busses an den roten Ampeln einen Spaß daraus, um den Wagen zu laufen und wieder einzusteigen, bis Pilli irgendwann mal falschrum lief und die anderen Entgegenkommenden fast umrannte. Pilli war auch noch ein zweites Mal der Held des Tages, als er Benny hinterher aus dem Auto zur nächsten Tankstelle sprinten wollte und dabei den Bierkasten übersah, der vor seinen Füßen stand…

Doch auch abseits der Straße gab es Lustiges zu sehen: Irgendwo in Hagen kletterte ein Mann aus seinem Dachfenster, wohl um das Dach zu reparieren. Ob Patrics Ausruf „Nicht springen!“ ihn irritiert hat wissen wir nicht… An einer Bushaltestelle im Hagener Zentrum hatte eine Frau ein neues Transportmittel für ihr Kind erfunden: Es guckte nur mit dem Kopf aus einer Einkaufstasche mit Rollen raus! Wieder mal Dank der Funkgeräte konnten wir uns gegenseitig sehr gut auf derartige Attraktionen aufmerksam machen.

Nach langer Fahrt und einigem Suchen im Einbahnstraßensystem der Schwerter Innenstadt konnten wir endlich die Terrasse des Kanu-Club Schwerte beziehen. Zum Glück musste nichts außer der Küche aufgebaut werden, weil schon ein großer Pavillon bereitstand.

Nach dem Grillen gingen Peter, Christian und Lorenz noch duschen. Entweder sie brauchten so lange oder die anderen waren so müde: Als sie zurück kamen lagen jedenfalls schon alle anderen in den Schlafsäcken auf der Plane.

Der erste Rudertag war (wie alle anderen auch, aber das wussten wir da noch nicht…) vom Umtragen bestimmt. Abends spürten wir unsere Arme, Schultern und Rücken weniger vom Rudern als vom Tragen.

Um die Mittagszeit, als es am heißesten war bei strahlend blauem Himmel, war eine Strecke von ca. 200 m über Land zu bewältigen, und keine Lore ins Sicht. Das erste Boot hatte die Arschkarte, weil es alleine Ausheben, dann alle drei Boote mittragen und danach alleine wieder einsetzen musste.

Dieses spaßige Spielchen wiederholte sich im Laufe des Tages zwischen 3 und 5 Mal, weil wir auf der ganzen Fahrt nicht eine einzige funktionierende Schleuse vorfanden.

Die zweite Nacht verbrachten wir beim RC Witten, dessen Mitglieder uns schon bei der Ankunft ihr beachtliches Bootsmaterial vorführten, sie kamen grade von einer Regatta zurück.

Weil Maxi und Denise erst um halb 11 vom Autos Vorfahren wiederkamen, konnten wir leider auch erst dann unsere bei Taschen- (bzw. Kopf-) Lampenlicht gemachten Burger essen (weil sich das Fleisch in einem der Autos befand). Nach einer kurzen (oder teilweise doch etwas längeren und musikalischen) Dusche landeten schließlich doch noch alle im Bett (bzw. im Kraftraum des Vereins).

Da der Beginn des Ruderbetriebs in Witten am nächsten Tag zu früh für unsere Maßstäbe war, konnten wir das Frühstück nicht wie gedacht auf der Terrasse machen, sondern mussten auf den Parkplatz ausweichen. Doch auch dort konnten uns Luis und Peter unter Beweis stellen, wie weit sie den großen weißen Kochlöffel mit Quark in den Mund kriegen. Luis störte nur sein Kieferknochen der irgendwie im Weg war…

Irgendwann am Mittag stellte uns das Wehr von Hattingen vor ein zunächst unlösbar scheinendes Problem: Umtragen war nicht möglich, da wir die Boote unten wegen einer 2m hohen Mauer nicht wieder einlegen konnten. An den Wehren vorher hatten wir mittlerweile schon Erfahrungen mit dem Treideln, auch unter widrigsten Umständen, gesammelt, aber hier gab es auch keine Möglichkeit dazu. Was es gab, war eine Bootsrutsche mit zugehörigem Anleitungsschild, das uns den wertvollen Hinweis gab nicht das Wehr runter zu fahren, aber ansonsten auch nicht weiterhalf. Niemand von uns war bisher durch eine Bootsrutsche gefahren, Maxi meinte aber eine „Taktik“ zu haben, weil er mal was darüber gelesen hatte. Anstatt die Taktik weiter zu verfolgen, wagte Juppiter (das „Wüstenschiff“, weil jeder der Ruderer ein „Beduinentuch“ gegen die knallende Sonne trug) als erstes Boot den Versuch, Skulls lang!, grade sitzen! und durch, unter dem Beifall der anderen und vor allem der gaffenden Rentner vom benachbarten Campingplatz. Als nächstes folgte Poseidon, dessen Besatzung die Hürde auch trotz des sehr schmalen Bootes gut meisterte. Die Mannschaft von Asinus, dessen Dollen noch im letzten Moment vor dem Ablegen zugetapt worden waren, folgte zuletzt. Nach diesem für uns alle neuen und aufregenden Erlebnis war der Tag aber noch nicht zu Ende. Als wir an unserem Übernachtungsplatz, dem Ruderverein Linden-Dahlhausen, ankamen, waren dort alle Türen verschlossen und niemand da, und ans Telefon ging auch keiner. Erste Pläne, dem RV dafür einen netten Denkzettel zu verpassen ;-), wurden dann doch verworfen und wir schafften es, spontan ein Ausweichquartier in Essen-Steele zu bekommen. Das bedeutete aber, dass alle noch weiter rudern mussten als geplant, wobei Poseidon nur von den Zwillingen gerudert wurde, weil Maxi, Luis und Denise ihre Autos aus Linden-Dahlhausen mitnehmen und den Bus holen mussten.

Beim Steeler RV wurden wir sehr freundlich aufgenommen, obwohl das Vereinshaus gerade im Umbau war. Wir hatten die obere Etage des Hauses inklusive einer Dachterrasse für uns alleine. Als soweit alles aus den Booten geladen war, mussten wir natürlich noch auf den Bus warten, der die Küche und unsere Klamotten durchs Ruhrgebiet kutschierte. Damit Luis uns finden konnte, postierten sich fünf von uns barfuß und in Badesachen auf der größten Kreuzung in der Umgebung, jeder auf einer Verkehrsinsel. Gut, dass der Polizeiwagen, der vorbeifuhr, nicht angehalten hat…

Später, als es schon halb dunkel war, kamen SRG-Bus und PKW auch noch an, so dass wir die Küche auf der Terrasse aufbauen konnten. Problem war, dass vor dem Kochen noch ein Sack Zwiebeln geschnitten werden musste. Doch das war nach diesem Tag das kleinste Übel, und es fand sich schnell ein Freiwilliger, der nicht eine Träne vergoss. 😉

Als alle gegessen hatten (es war mittlerweile schon halb Zwei in der Nacht) waren wir froh dass wir in die Schlafsäcke fallen konnten.

Am letzten Tag war noch die Strecke bis zum Ruderclub am Baldeneysee zurückzulegen. Die Wasserschlachten und Skull-Klau-Aktionen dieser Etappe liefen ohne Asinus ab, dessen top motivierte, aber irgendwie doch etwas faule Mannschaft nicht ganz mit den Vierern mithalten konnte. Bei heftigem Gegenwind und erfolgreicher Absolvierung der 2000m Regattastrecke landete Asinus schließlich weit abgeschlagen als letztes Boot am Steg.

Während die einen die Boote saubermachten, bauten die anderen schon Küche und Schlafplane auf. Wir übernachteten diesmal etwas abseits am Parkplatz, obwohl man uns eigentlich eine Wiese noch weiter weg vom Bus zugewiesen hatte, zu der wir aber keine Lust hatten, alles zu schleppen.

Patric, Benny und Rauschi wurden schon am Abend abgeholt, weil Benny „Mathe lernen“ musste. Oder war es doch das Feuerwerk in Düsseldorf, das sie nach Hause lockte? ;-)Der Rest hatte noch einen schönen, teilweise am Steg verbrachten Abend, bis schließlich alle unter die Plane bzw. ins Zelt krochen. Am Sonntag wurde der Hänger gepackt und dann ging’s – diesmal ohne Stau –  zurück zum SRG-Gelände, wo uns Domme mit Familie und englischen Austauschschülern erwartete. Was wohl allen in Erinnerung bleiben wird sind die kaputten Schleusen und deshalb das viele Umtragen, das geile Wetter und das immer später werdende Essen.

Geschrieben von Lorenz für den Götterbo(o)ten 2005